150 Jahre Geschichte

Eineinhalb Jahrhunderte Mailänder Geschichte, erzählt durch die berühmtesten Gäste seines ältesten Hotels.

Geschichte

Das Albergo di Milano, heute Grand Hotel et de Milan, wurde am Samstag, den 23. Mai 1863 eingeweiht. Das Projekt wurde dem Architekten Andrea Pizzala anvertraut, der vor allem durch die Realisierung der Galerie De Cristoforis in Mailand im Jahr 1831 bekannt wurde.
Das Gebäude war damals noch kleiner als heute. Ein Gebäude mit einer Fassade in vielseitigem Stil und an neugotischen Stil angelehnten Ornamenten. Diese kulturelle Anlehnung war Merkmal der in diesen Jahren veröffentlichten Opern, welche von der romantischen englischen Bewegung, der sogenannten Gothic Revival-Bewegung, inspiriert waren.
Das Gebäude wurde um das im Jahr 1879 eingeweihte neue Stockwerk erweitert. Zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts gelangte das Hotel zu einer bedeutenden Wichtigkeit, da es das einzige Hotel der Stadt war, welches Post- und Telegraphendienstleisungen anbot. Aus diesem Grund wurde es von Diplomaten und Geschäftsleuten frequentiert. Es umfasste ungefähr zweihundert Zimmer, einen hydraulischen Stiegler-Fahrstuhl (welcher bei der kürzlichen Renovierung erneuert wurde und auch heute noch funktioniert), einen Wintergarten und einen luxuriös ausgestatteten Speisesaal.

150 years

1863
Hotel in Milan
Heute
Grand Hotel et de Milan
Grand Hotel et de Milan depliant storico
Berühmte Gäste
Zu den berühmtesten Gästen des Grand Hotel et de Milan zählte der Maestro Giuseppe Verdi, der ab dem Jahr 1872 im Hotel wohnte und so zwischen dem Stadt- und Arbeitsleben und dem ruhigeren Leben auf seinem Landsitz in Sant'Agata hin und her pendelte. Genau in jenen Jahren komponierte er den "Othello" und "Falstaff".
Zu dem Zeitpunkt war die Gräfin sehr traurig über den Tod ihrer einzigen Tochter und fand erst mit der Eröffnung eines kulturellen Zirkels in ihren Haus ins weltliche Leben zurück. Und beim Besuch dieses Zirkels, bei dem man Manzoni, Cattaneo, Correnti, Manara, Balzac und Rossini treffen konnte, fand der durch den Tod seiner Frau und Kinder gramerfüllte Verdi die Inspiration für seinen "Nabucco".
Nach vierzig Jahren Abwesenheit und Stille kam Verdi am 5. Februar 1887 mit dem "Othello" in das Scala zurück. Es wurde ein großer Tag. Schon vor dem Abend war die Stadt in heller Aufregung. Alle waren an diesem Wintertag auf der Straße. Leierkästen spielten Verdis Arien und überall wurde “Viva V.E.R.D.I.!” gerufen. Die Hymne hatte eine Doppelbedeutung: außer, dass sie die Liebe zum Maestro zum Ausdruck brachte, bedeutet dieser Ausruf auch “Viva Vittorio Emanuele Re d’Italia” (Es lebe Viktor Emanuel, König von Italien).
Nach der Erstaufführung des "Othello" wurde die Kutsche, die Verdi zurück zum "Milan" (wie das Grand Hotel et de Milan liebevoll genannt wurde) bringen sollte, wie bei großen Theatertriümphen üblich, von den Mailändern per Hand gezogen. Kaum, dass er in seinem Appartment angekommen war, wurde Verdi von der unter seinem Balkon versammelten Menge gerufen. Der Maestro zeigte sich der rasenden Menge zusammen mit dem Tenor Tamagno, welcher einige Arien der Oper sang.
Dieselbe Menge lagerte auch in dem Zeitraum vor dem "Milan", in dem Verdi schwer krank war. Zwei oder dreimal am Tag ließ der Direktor am Eingang des Hotels die Berichte über den Gesundheitszustand des Maestros anschlagen. Auf der Via Manzoni wurde Stroh ausgestreut, um den Lärm der Kutschen und Pferde zu dämpfen und die Agonie des Maestros nicht zu stören. Auch heute noch ist außen am Hotel ein Schild angebracht mit der Inschrift: "Dieses Haus erinnert mit diesem Memorandum an Giuseppe Verdi, der hier wohnte und am 27. Januar 1901 verstarb. Erstellt anlässlich seines ersten Todestages von der Gemeinde in Einklang mit dem Volk zur ewigen Verehrung des Größten, der mit seinen himmlichen Harmonien den Wunsch und die Hoffnung auf ein Vaterland in den italienischen Herzen entflammte."
Für Verdi war das "Milan" in einer strategisch günstigen Position: wenige Schritte von der Scala und gegenüber der Via Bigli, wo seine enge Freundin Clara Maffei wohnte.
Grand Hotel et de Milan hall 1900
Am Nachmittag des 30. Aprils 1888 empfing der damalige Besitzer des Hotels, Herr Spatz, mitsamt seines gesamten Personals Seine Kaiserlichen Hoheiten Peter II von Braganz und die Kaiserin Theresa Christina von Bourbon. Für diese Gelegenheit ließ Spatz die kaiserlichen Appartments neu dekorieren und verwandelte den Eingang und die Treppen des Hotels in einen üppigen tropischen Garten.
Währen des Aufenthaltes erkrankte der Kaiser schwer an einer Rippenfellentzündung. Seine Rückkehr nach Brasilien wurde diplomatisch verzögert und ermöglichte seiner Tochter Donna Isabella, seiner Stellvertreterin, in Brasilien das berühmte und umkämpfte Gesetz für die Abschaffung der Sklaverei zu unterschreiben. Spatz gab anlässlich dieser Gegebenheit eine sinnbildliche Statue eines befiederten Indios, welcher "die Schlangen der Sklaverei vernichtet" in Auftrag. Die Statue befindet sich heute noch im Hoteleingang.
Im April 1902 kam der berühmte Tenor Enrico Caruso in das Hotel, der Mailand besuchte, um am Scala eine neue, von Toscanini dirigierte Oper namens "Germania" zu singen. Fred Gaisberg, Pionier der Tonaufnahme von der "Gramophone Company", war von seiner Stimme begeistert. Die Gramophone Company wollte eine Schallplatte aufnehmen, machte jedoch einen Rückzieher, nachdem sie erfuhr, dass Caruso für die Aufnahme 100 Sterling haben wollte. Also beschloss Gaisberg, diese 100 Sterlinge aus eigener Tasche zu bezahlen. So wurde in einem Appartment des Grand Hotel et de Milan die erste Schallplatte mit flacher Matrix in der Geschichte der Musik aufgenommen.
Caruso, der vor einem Metalltrichter stand, der durch eine Wand von einem komischen und komplizierten Mechanismus, der die Stimme aufnahm, getrennt war, sang zehn Opernarien. Das Ganze dauerte zwei Stunden. Zum Schluß erhielt Caruso die 100 Sterling und ging zum Mittagessen. Gaisberg hatte die richtige Intuition, auf denjenigen zu setzen, der später einer der berühmtesten Tenore der Welt werden würde.
Und so kommen wir zu den 20er Jahren. Eine der außergewöhnlichsten Gäste, ein wahres Kind dieser wahnsinnigen Zeit, war die Malerin und Femme Fatale Tamara de Lempicka. Die schöne polnische Malerin wurde im Milan vom Schriftsteller Gabriele D'Annunzio beherbergt. Es scheint, als ob der Dichter in sie vernarrt war und sich von ihr ein Porträt am Vittoriale erstellen lassen wollte. Im ihr gewidmeten Appartment finden sich einige Briefe, die eine enge Korrespondenz zwischen Tamara und Gabriele belegen.
Das Grand Hotel et de Milan wurde 1931 komplett renoviert und jedes Zimmer wurde mit einem Bad mit modernen Sanitäranlagen, fließend Wasser und Telefon ausgestattet. Seine sehr elegante American Bar wurde von der besten Gesellschaft frequentiert. Das schon zu damaliger Zeit als das renommierteste Restaurant Mailands geltende Restaurant des Hotels bot eine raffinierte Küche und erstklassigen Service.
Im Jahr 1943 wurde das gesamte vierte Stockwerk aufgrund eines fürchterlichen Bombardements (welches auch das Teatro alla Scala traf) zerstört. In der Folge darauf vereinnahmte der Generalstab der amerikanischen 5. Armee das Hotel. Das "Milan" wurde ein Ort für Belohnungsferien für die alliierten Soldaten, es bekam sogar seinen eigenen "militärischen Leiter". Im luxuriösen und exklusiven Restaurant fanden Feste, Bälle und Konzerte statt.
Am 24. Juni 1946 kehrte endlich Frieden in das Hotel ein.
Noch einmal erstand das "Milan" aus seiner Asche auf. Es hatte nichts von seinem Ansehen eingebüsst. Die sofort nach dem Krieg begonnenen Arbeiten für die Wiederherstellung des Hotels waren langwierig und mühsam. Begonnen wurden sie von dem Architekten Giovanni Muzio (dem Hauptvertreter des sogenannten "Stile Novecento"). Die Stadt bekam ihr ältestes Hotel mit seiner langen Tradition und dem von ihm geschaffenen internationelen Ruhm zurück.
Grand Hotel et de Milan hall fine 1800
Maria Meneghini Callas kam in den Jahren zwischen 1950 und 1952 häufig anlässlich ihrer Auftritte am Teatro alla Scala in das Grand Hotel et de Milan. Sie und Meneghini, ihr erster Ehemann, konnten stundenlang an der Rezeption bei geöffneter Tresortür darüber diskutieren, welche Juwelen sie denn nun anlegen sollte.
Im Jahr 1969 entschied die neue Leitung unter dem unternehmungslustigen Manlio Bertazzoni, dass es Zeit war, die Halle und die Salons des Hotels zu modernisieren, um der Einrichtung der 40er Jahre einen etwas lebhafteren Ton zu geben. Die Gegenwart von Tochter Daniela und ihrem Lebensgefährten, dem Modefotographen Rocco Mancino ließ das "Milan" eine Anlaufstelle für Fotografen, Models, Stylisten, Künstler und der sie umgebenden Menschen werden.
Es wurde ein Set für Fotoaufnahmen und Modenschauen Erstmals wurde das Hotel als ein Ort genutzt, wo bislang unbekannte Stylisten ihre Kollektionen ausstellen konnten. Während der Modewoche war es nicht schwer, junge Stylisten zu treffen, die ihre Showrooms an den für den damaligen Zeitpunkt ungewöhnlichsten Plätzen arrangiert hatten. Jede Ecke des Hotels wurde für diesen Zweck verwendet: die Halle, die Zimmer, die Gardeobe des Erdgeschosses und auch der alte Stiegler-Fahrstuhl, welcher zu dem Zeitpunkt nicht in Betrieb war, stand still im Erdgeschoss und war mit den vielfältigsten Modeaccessoires dekoriert. Ein Rolls Royce Silver Cloud mit livriertem Fahrer stand gegenüber dem Hoteleingang und wartete darauf, die Kunden des Hotels dahinzufahren, wohin sie wollten.
Das "Milan war ein vergnügliches und modernes Hotel geworden. Zu Beginn der 70er Jahre explodierte die italienische Prêt à Porter und das Hotel widmete sich der Öffnung für die Modewelt. Ferré und sein Produzent Mattioli veranstalteten im Hotel ihre erste Modenschau und auch viele andere begannen hier ihren Weg zur Berühmtheit. So wurde die große mondäne Saison eröffnet, mit ihren Konzert-Tees um fünf Uhr nachmittags, der Cocktailparty Scaligeri am 7. Dezember und der Großen Gala an Silvester.
Das "Milan" war immer eine Art Dependance des Scala. Einer unserer Stammgäste, der berühmte Flötist Severino Gazzeloni. auch die "Goldene Flöte" genannt, übte meist am frühen Nachmittag mit leisen Tönen. Viele Zimmer waren miteinander verbunden, auch mit doppelten, geschlossenen Türen. Der Maestro hörte es klopfen. Er dachte, jemand fühle sich gestört und spielte eine Oktave tiefer. Erneut wurde geklopft. Er verminderte erneut die Intensität des Tons, jetzt war kaum mehr ein wahrnehmbares Pfeifen zu hören. Eine Frauenstimme bat ihn, doch bitte lauter zu spielen, damit sie in den Genuss dieses meisterhaften Spiels käme.
Ein weiterer Stammgast war Vittorio De Sica. Im Jahr 1974 wurde für den Film "Il Viaggio", den er zusammen mit Sophia Loren drehte, ein Schlafzimmer des Verdi-Appartments hergerichtet. Der Alkoven wurde von Richard Burton und der jungen Annabella Incontrera belegt. Häufig konnte man Burton in der Bar treffen, wo er seinen Glas Wodka trank.
Während der letzten größeren Restrukturierungsarbeiten in den Jahren 1990 bis1993 wurden Teile der großen Verteidigungsmauer, welche 250 n. Chr. vom Kaiser Massimiano als Verteidigung, Schutzwall und Stadtgrenze errichtet wurde, wiederentdeckt. Der Kern der Mauerstruktur wurde mit Geröllkonglomeraten und Ziegelspilttern, welche mit einem sehr zähen Mörtel verbunden wurden, erbaut. Die Reste der sorgfältig restaurierten Mauer können heute im Keller des Restaurants Don Carlos bewundert werden. Sie befinden sich inmitten des Saals, umgeben von erlesenen italienischen und ausländischen Weinen.
Durch die wichtige Restrukturierungssarbeit konnten einige, bei den vorherigen Renovierungen beseitigte Strukturen wiederhergestellt werden, wie zum Beispiel die Granitsäulen der Bar und der Halle und der antike Fahrstuhl. Durch die aufmerksame Restauration der monumentalen Teile, die Wiederinbetriebnahme, die technologische und normative Anpassung hat das Grand Hotel et de Milan seinen ursprünglichen Glanz zurückerobert und den antiken Zauber eines mailänder Adelswohnsitzes des neunzehnten Jahrhunderts bewahrt.
Unter den vielen Freunden möchten wir besonders herzlich denen danken, die uns kostbare historische Erinnerungsstücke überließen: Franco Maria Ricci, dem Touring Club Italiano, dem Teatro alla Scala, dem Museo Enrico Caruso, Herrn Mazzocchi und dem Ing. Buccolier.
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